Was sind Real Bills?

Es gibt viele Diskussionen über Real Bills, über ihre Zirkulation, ihre monetären Auswirkungen … aber niemand scheint darüber zu sprechen, was genau sie eigentlich sind.

Heutzutage ist eine Real Bill eine Rechnung, gezeichnet gegen ein dringend benötigtes Konsumgut.

Ein Lastwagen fährt bei der örtlichen Tankstelle vor, um 30.000 Liter Kraftstoff zu liefern. In Kanada kostet diese Menge Kraftstoff $25,000.

Glauben Sie, der Tankstellenpächter gibt dem Lastwagenfahrer $25,000 in bar, um für die Lieferung zu bezahlen? Wohl kaum! Oder schreibt er einen Scheck über $25,000? Unwahrscheinlich, oder? Tatsächlich unterzeichnet der Tankstellenpächter eine Rechnung: 30.000 Liter Kraftstoff wurden erworben zu einem Preis von $25,000. Diese Rechnung ist die Keimzelle der Real Bill.

Sie repräsentiert einen Wert in Höhe von $25,000; und das Bargeld, welches die Rechnung am Ende begleichen wird, wird von der Tankstelle peu-à-peu eingenommen, während die 30.000 Liter Kraftstoff über die nächsten paar Wochen verkauft werden. Wie lange dieser Verkauf dauert, hängt von der Frequenz an dieser speziellen Tankstelle ab und wird durch das Fälligkeitsdatum der Rechnung abgebildet.

Die Tankstelle ist der Abnehmer oder Unterzeichner der Rechnung und verpflichtet sich, diese bei Fälligkeit zu zahlen. In der Zwischenzeit gewährt der Großhändler, der den Kraftstoff geliefert hat, der Tankstelle einen Kredit. Man beachte, dies involviert kein Ausborgen. Es wurden keine Sicherheiten gestellt (schließlich wird der Kraftstoff selbst verkauft sein, bevor die Rechnung fällig ist) und es wurde kein Zins eingenommen. Kredit wurde gewährt – auf einer in der Vergangenheit aufgebauten Vertrauensbasis und dem sicheren Glauben, dass der Kraftstoff auf jeden Fall verkauft wird und somit das Bargeld zur Begleichung der Rechnung generieren wird.

Das wesentliche hier ist, dass die Transaktion auf beiden Seiten freiwillig ist: die Tankstelle braucht den Kraftstoff und kann eine derartige Menge nicht vorab in bar bezahlen. Wenn Barzahlung gefordert wäre, würde die Bestellung nicht 30.000 Liter, sondern vielleicht 3.000 Liter umfassen und die Transportkosten wären somit viel höher. Der Großhändler weiß das auch und ist bereit, die nötigen Zahlungskonditionen zu gewähren, um regelmäßige Bestellungen in großem Umfang zu ermöglichen. Würde die Tankstelle alternativ die $25,000 bei der Bank borgen, wären die Kosten viel höher, da die Bank Zinszahlungen und Sicherheiten – und zwar NICHT den gelieferten Kraftstoff – verlangen würde.

Die nächste Frage ist nun: was tut der Großhändler mit der Rechnung? Behält er sie bis zum Fälligkeitsdatum, nutzt er sie (gemeinsam mit anderen Forderungen) als Sicherheit für einen Kredit, für den er der Bank teuer bezahlen müsste? Oder schickt er die Rechnung vielleicht an die Raffinerie, um für den Kraftstoff, den er gekauft hat, zu bezahlen – natürlich mit Abschlag! Die Raffinerie wird zufrieden sein, diese Rechnung zu bekommen, denn sie ist so gut wie Bargeld, und zwar wiederum zum Discount, d.h. die Raffinerie zahlt weniger für die Rechnung als den Nennwert. Die Raffinerie kann die Rechnung natürlich einsetzen, um Rohöl einzukaufen, und so weiter.

Wo auch immer die Rechnung bei Fälligkeit gelandet ist, wird sie auch beglichen. In unserem Beispiel, wenn der Großhändler die Rechnung nimmt, um die Raffinerie zu bezahlen, erhält bei Fälligkeit der neue Besitzer der Rechnung, die Raffinerie, den Nennwert von der Tankstelle. Wenn der Rohöllieferant die Rechnung hält, bekommt er die Zahlung, und so weiter. Der große Vorteil ist, dass eine Zahlung der Tankstelle daran teilnimmt, viele Zahlungsverpflichtungen zu begleichen: anstelle der Tankstelle, dem Großhändler und der Raffinerie, die sonst jeweils bar zahlen müssten.

Natürlich ist der Nennwert der Rechnung nicht ident mit dem Betrag, der zwischen Großhändler und Raffinerie fällig ist, oder dem zwischen Raffinerie und Rohöllieferant. Theoretisch werden die Aufschläge eines jeden Gliedes in der Lieferkette in Cash ausgeglichen. In der Praxis verkauft der Großhändler Kraftstoff an viele Tankstellen und hat daher jederzeit viele Rechnungen offen. Es ist sehr einfach, einige davon zurückzuhalten, um die Aufschläge auszugleichen und den Rest weiterzuverkaufen, um die viel größere Rechnung bei der Raffinerie zu zahlen.

Im Endeffekt hat eine Rechnung eine zeitlich begrenzte monetäre Rolle. Sie ersetzt Bargeld und dient so als Tauschmittel, aber nur, wenn sie gegen ein echtes Konsumgut gezogen ist. Bei Fälligkeit wird die Rechnung bezahlt und verschwindet so – das Gegenteil von gedrucktem Geld. Mit den Schwankungen der Konsumnachfrage schwankt auch die Versorgung mit Rechnungen. Die monetäre Wirkung der Real Bills wird vom Konsum diktiert, nicht von den Entscheidungen gieriger Banker oder korrupter Politiker!

Die Bewegung der Kraftstoffrechnung ist vertikal; diese Art der Zirkulation ist typisch für den Energiesektor. Das wurde zuerst berichtet von Bill Koures und weiters untersucht von Professor Fekete. Diese Ökonomie ist zu verlockend, als dass die Wirtschaft sie nicht nutzen könnte. Was derzeit noch nicht passiert, ist horizontale Zirkulation, d.h. Kraftstoffrechnungen werden (noch) nicht genutzt, um Unternehmen außerhalb der Ölindustrie zu bezahlen und es gibt noch keine Diskonthändler (Market Maker), die diese Real Bills auch anderen Unternehmen zugänglich machen. Je mehr Bills zirkulieren, desto einfacher ist es für Unternehmen, solche zu finden, die ihre Bedürfnisse hinsichtlich Wert und Fälligkeit abdecken.

In dem Augenblick, in dem die Zirkulation vertikal wird, werden sich Vorteile für die Gesellschaft als Ganzes ergeben. Händler werden von der niedrigen Diskontrate profitieren und so saisonale Nachfrageschwankungen ausgleichen können, indem sie Bills von/an Diskonthändler kaufen/verkaufen. Das wird sich in höherer Effizienz und letztlich niedrigeren Konsumentenpreisen niederschlagen.

Jetzt ist verständlich, warum die Ware, gegen die die Bills gezogen sind, schnell und sicher verkaufbar sein muss, denn so wird die Bill bezahlt! Wenn die Bill gegen „Ladenhüter“ gezogen ist, muss der Händler einen anderen Weg finden, seine Rechnung bei  Fälligkeit zu zahlen … und alle Alterativen sind teurer, denn die Bill verursacht die geringstmöglichen Kosten.

Das ist eine sehr einfache Betrachtung der Real Bills; für weitergehende Information lesen Sie bitte Professor Fekete’s Monetary Economics 101 und Adam Smith’s Real Bills Doctrine.

Rudy J. Fritsch

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