Wechsel versus Real Bills

Wechsel (Commercial Paper) oder Schuldscheine (Unsecured Promissory Notes) werden derzeit genutzt, um die laufenden Kosten eines Unternehmens zu decken. Sie haben mit Real Bills gemeinsam, dass beides kurzfristige Papiere sind; davon abgesehen gibt es keinerlei Gemeinsamkeiten.

Grundsätzlich stehen Wechsel großen Unternehmen mit guter Bonität offen, da sie unbesicherte Verbindlichkeiten des Unternehmens sind. Im Gegensatz dazu sind Real Bills auf Konsumguter gezogen, die auf ihrem Weg zum Konsumenten sind. Die Waren, auf die die Bills gezogen sind, werden verkauft und die Goldmünzen (Geld), welche der Händler vom Kunden erhält, bezahlen die Bill, wenn sie fällig wird.

So werden die Schulden, welche durch die Bills repräsentiert sind, durch der Kunden Goldmünzen ausgelöscht. Wechsel hingegen müssen vom Emittenten zurückgezahlt werden; ein Emittent mit einer mittelmäßigen Bonität wird relative hohe Zinsen zahlen müssen. Tatsächlich kann der Markt es auch ablehnen, einem fragwürdigen Unternehmen Kredit zu gewähren, egal zu welchem Zinssatz.

Wegen diesen höheren Risikos sind Wechsel auch teurer als besicherte Darlehen. Im Gegensatz dazu sind Bills diskontiert und die niedrigste Diskontrate ist immer geringer als der geringste Zinssatz, weil Bills das Papier mit dem niedrigst möglichen Risiko sind.

Bills sind nicht abhängig von der Kreditwürdigkeit eines Unternehmens, weil sie von keinem Unternehmen emittiert werden, sondern gegen die Waren, welche an Ladengeschäfte geliefert werden, gezogen sind – genauso wie eine Warenrechnung vom Händler bei Lieferung der bestellten Ware akzeptiert wird.

Nehmen wir zum Beispiel an, ein Lastwagen fährt bei der örtlichen Tankstelle vor, um 30.000 Liter Kraftstoff zu liefern. In Kanada kostet diese Menge Kraftstoff $25,000.

Glauben Sie, der Tankstellenpächter gibt dem Lastwagenfahrer $25,000 in bar, um für die Lieferung zu bezahlen? Wohl kaum! Oder schreibt er einen Scheck über $25,000? Unwahrscheinlich, oder? Tatsächlich unterzeichnet der Tankstellenpächter eine Rechnung: 30.000 Liter Kraftstoff wurden erworben zu einem Preis von $25,000. Diese Rechnung ist die Keimzelle der Real Bill.

Sie repräsentiert einen Wert in Höhe von $25,000; und das Bargeld, welches die Rechnung am Ende begleichen wird, wird von der Tankstelle peu-à-peu eingenommen, während die 30.000 Liter Kraftstoff über die nächsten paar Wochen verkauft werden. Wie lange dieser Verkauf dauert, hängt von der Frequenz an dieser speziellen Tankstelle ab und wird durch das Fälligkeitsdatum der Rechnung abgebildet.

Die nächste Frage ist nun: was tut der Großhändler mit der Rechnung? Behält er sie bis zum Fälligkeitsdatum, nutzt er sie (gemeinsam mit anderen Forderungen) als Sicherheit für einen Kredit, für den er der Bank teuer bezahlen müsste? Oder schickt er die Rechnung vielleicht an die Raffinerie, um für den Kraftstoff, den er gekauft hat, zu bezahlen – natürlich mit Abschlag! Die Raffinerie wird zufrieden sein, diese Rechnung zu bekommen, denn sie ist so gut wie Bargeld, und zwar wiederum zum Discount, d.h. die Raffinerie zahlt weniger für die Rechnung als den Nennwert. Die Raffinerie kann die Rechnung natürlich einsetzen, um Rohöl einzukaufen, und so weiter.

Die Kraftstoffrechnung ist ein Beispiel für vertikale Zirkulation; die Rechnung dient dazu, Werte zu transferieren bzw. Transaktionen innerhalb eines Sektors zu saldieren. Innerhalb eines Papiergeldsystems können Real Bills zwar vertikal zirkulieren, aber nicht horizontal über Sektorgrenzen hinweg.

Real Bills haben die bestmögliche Qualität aller verfügbaren Zahlungsinstrumente. Sie sind verzinste Papiere, welche in spätestens 91 Tagen in Gold auszahlbar sind. Niemand bei klarem Verstand würde jemals Real Bill gegen schnell abwertende zweifelhafte Instrumente wie eine Banknote eintauschen!

Ein weiterer signifikanter Unterschied zwischen Bills und Wechseln wird deutlich, wenn wir den Kontext betrachten. Real Bills spiegeln den Wert von Waren wider, welche tatsächlich am Markt verkauft wurden – sie sind eindeutig konsumgetrieben. Tatsächlich ist die Geschwindigkeit der Geldzirkulation gleich der Schaffung von Real Bills.

Je mehr Konsum (hohe Geschwindigkeit), desto mehr Real Bills werden gezogen; nimmt die Geschwindigkeit der Geldzirkulation – oder die Konsumfreudigkeit – ab, werden weniger neue Bills gezogen. Die bestehenden Bills werden fällig und abbezahlt und der Gesamtwert der zirkulierenden Bills nimmt ab. Real Bills werden nie rolliert, sondern müssen bei Fälligkeit in Gold beglichen werden.

Real Bills haben Geldqualität, sie werden als Zahlungsmittel genutzt. In Gegensatz zu frei druckbarem Papiergeld sind sie aber nicht inflationär. Real Bills löschen sich selbst aus. In einem Real Bills System wären enorme Ungleichgewichte wie z.B. zwischen China und den USA unmöglich.

Ein weiterer Vorteil von Bills ist, dass die physischen Grenzen der Wirtschaft die Anzahl der Bills limitieren. Gibt es keine zusätzlichen Kapazitäten, um Rohöl zu verarbeiten, können logischerweise keine neuen Kraftstoff-Bills gezogen werden und kein zusätzlicher Kraftstoff kann an die Händler ausgeliefert werden. Diese Hemmnisse gibt es für Wechsel oder Fiat Währungen nicht.

Vergleiche Real Bills, die nicht inflationär und konsum-getrieben sind sowie rasch und automatisch auf Nachfrage und physische Zwänge reagieren, mit Wechseln. Die Kontrolle über Wechsel liegt in den Händen von großen Unternehmen, Banken und Politikern. Zinsen und Geldmenge werden von den Mächtigen festgelegt und nicht von der Marktnachfrage. Das macht diesen Markt anfällig für Manipulationen durch Gier und Korruption; er folgt nicht den Interessen der Realwirtschaft. Vereinfacht kann man sagen: ‘Wall Street versus Main Street’.

Im Gegenteil dazu sind Real Bills und Goldmünzen wahrhaft demokratisch. Die Macht liegt in den Händen des Verbrauchers, der Goldmünzen wie einen täglich einlösbaren Wahlzettel einsetzt. Der Diskontsatz wird durch den Konsum bestimmt, genau wie die Zinsen durch die Sparrate bestimmt werden. Man braucht keine Zentralbank; in der Tat zirkulieren Real Bills perfekt ohne jegliches Bankensystem. Der österreichische Ökonom Hans Sennholz sagte so treffend:

“Gesundes Geld und kostenloses Banking sind nicht unmöglich, sie sind lediglich illegal. Deshalb muss das Geld dereguliert werden. Der Goldstandard wird wieder eingeführt werden, sobald den Menschen klar wird, dass Ehrlichkeit die beste Politik ist.

So wie die Hoffnung auf unrechtmäßige Gewinne der Beginn des Fiat Geldsystems ist, ist Ehrlichkeit die Mutter des Goldstandards. Der Goldstandard ist so alt wie die Zivilisation. Durch die Jahrhunderte  hindurch ist der Goldstandard immer wieder aufgekommen, weil der Mensch ein verlässliches Zahlungsmittel braucht.”

Zweifellos werden wir bald Zeuge eines neuen Goldstandards, da das derzeitige Regime von ungedecktem Papiergeld zusammenbrechen wird. Es ist wichtig, das wir sicherstellen, dass Real Bills wieder zirkulieren können. Sonst wäre der neue Goldstandard dem Untergang geweiht, genau wie die Rückkehr Großbritanniens zum Gold nach dem 1. Weltkrieg dem Untergang geweiht war.

Rudy J. Fritsch

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