Goldbindung – Der Weg in die Freiheit

von Wolfgang Schwetz

Die Geschichte kennt unzählige Ausformungen der Geldpolitik. Schon die Fürstenhäuser des Mittelalters bedienten sich ihrer Macht, um das Wesen des Geldes zu ihrem Vorteil zu verändern – und es dabei meist zu verwässern. Sie konnten der Versuchung nicht widerstehen, allzu kostspielige Unternehmungen und Vorhaben auf Umwegen zu finanzieren. Gold- und Silbermünzen wurden etwa weniger wertvolle Metalle beigemengt, die Bevölkerung so – nicht unmittelbar gewalttätig aber doch gewaltsam – einer schleichenden Enteignung unterzogen.

Was damals Fürstenhäuser veranlassten, wird heute in anderer Form hinter den Mauern von Zentralbanken besiegelt. Das Gespenst der Inflation wandelt leiser umher denn jemals zuvor  in der Vergangenheit. Es ist nicht mehr erforderlich, die sprichwörtlichen Notenpressen anzuwerfen. Die deutsche Reichsbank sah sich im Zuge ihrer inflationären Währungspolitik, die nicht nur das Geld der Weimarer Republik, sondern auch die junge Demokratie aushöhlen sollte, mit einem Mangel an Papier konfrontiert. Heutige Notenbanker müssen sich darüber keine Sorgen mehr machen. Geld hat sich längst digitalisiert, ist zur bloßen Buchungszeile geworden. So wurde die härteste, aber jedenfalls leiseste aller Steuern noch abstrakter. Im Kern besteht jedoch wenig Unterschied zwischen den Handlungsweisen von in finanzielle Bedrängnis geratenen mittelalterlichen Potentaten und jenen unserer heutigen Notenbanken. Macht und intransparente Entscheidungsprozesse verleihen zu jeder Epoche die Möglichkeit, den Wert des Geldes und damit die Stabilität der Gesellschaft zu untergraben. Die Volkswirtschaften des früheren D-Mark-Blocks sehen sich mit den Auswirkungen expansiver monetärer Politik in besonderem Maße konfrontiert. Die Maxime der Preisstabilität wurde zugunsten politischer Visionen aufgegeben. Die Europäische Zentralbank schüttelte das Erbe der Deutschen Bundesbank ab, sollte sie es jemals tatsächlich angetreten haben.

Staatliche Budgets können als in Zahlen gegossene Politik verstanden werden. Spätestens seit dem Zusammenbruch von Lehman Brothers wurde in der Währungsunion der Geldwert selbst zum Politikum. Die Gravitation der Marktkräfte wurde zugunsten eines neuen Interventionismus seitens des Europäischen Zentralbankensystems und vermutlich zumindest mit stillschweigender Duldung der europäischen Regierungen außer Kraft gesetzt. Der Liberalismus befindet sich auf dem Rückzug und wird schrittweise durch einen seinem Wesen nach sozialistisch gefärbten Institutionalismus ersetzt. Der kollektivistische Zentralismus errang Sieg um Sieg gegen den freiheitlichen Föderalismus. Beide parallel verlaufenden Entwicklungen führen zu einer gewichtigen Verschiebung, die Liberalen zu denken gibt. Im Lauf der Finanzkrise akkumulierte die EZB ein Vielfaches der ihr zugedachten Macht. Demokratisch legitimierte Parlamente traten im selben Maße in den Hintergrund. Die Budgethoheit, das Königsrecht eines Staates, wurde an den Europäischen Stabilitätsmechanismus abgegeben. Einer ebenso einflussreichen wie anonymen Organisation.

Der liberale Denker Friedrich August von Hayek warnte in seinem Werk „Der Weg zur Knechtschaft“ eindringlich vor übermächtigen Bürokratien und der Akkumulation von Macht. Die Summe geballter Macht ist demnach größer als die ihrer einzelnen Teile. Die verbrecherischen Taten kollektivistischer Diktaturen des Faschismus, Nationalsozialismus und Kommunismus wurden im Umfeld der Entstehung seines Werkes in ihrer umfassenden Fatalität offenbar. Folglich müsste die Geschichte als Plädoyer für ein möglichst liberales und dezentrales Staatswesen verstanden werden, um die Schreckensvision des totalen Staates und der totalitären Gesellschaft endgültig zu begraben. Freilich soll das Direktorium der EZB nicht mit den tragenden Persönlichkeiten diktatorischer Systeme verglichen werden. Doch welche Hybris sich hinter der Überzeugung verbergen muss, dem Versagen des Staates und seiner Organe durch eine Ausweitung seiner Befugnisse und Möglichkeiten zur wirtschaftlichen Lenkung begegnen zu wollen, lässt sich kaum erahnen. In seinem späten Werk „Die verhängnisvolle Anmaßung“ – einer Abhandlung wider den Sozialismus – zitiert Hayek einen berühmten Ausspruch Carl Mengers, der die Essenz unserer heutigen Demokratiekrise treffend beschreibt: „Wieso vermögen dem Gemeinwohl dienende und für dessen Entwicklung höchst bedeutsame Institutionen ohne einen auf ihre Begründung gerichteten Gemeinwillen zu entstehen?“

Eine Entpolitisierung des Geldes und damit die Rückbesinnung auf dessen Facetten als Wertaufbewahrungs- und Tauschmittel wären einer freisinnig-liberalen statt zentralistisch-doktrinären Gesellschaftsordnung zuträglich. Die Goldbindung einer Währung fesselt die ansonsten nahezu grenzenlose Macht der Politik und schenkt den Menschen dadurch Freiheit.

2 Kommentare zu „Goldbindung – Der Weg in die Freiheit“

  1. „Die Goldbindung einer Währung fesselt die ansonsten nahezu grenzenlose Macht der Politik und schenkt den Menschen dadurch Freiheit.“

    Leider ist das Gegenteil der Fall.
    Durch eine Bindung, also einen festen Umtauschkurs, des Preises von Gold an eine transaktionale Währung kann der Sparer den Wert seiner gesammelten Arbeitskraft nicht mehr ausserhalb des Systems speichern. Bei einem frei fliessenden, also ungebundenen Goldpreis wäre das der Fall.
    Kann man aber seine in Gold gesammelte Arbeitskraft nicht ausserhalb des Systems speichern, wird der Wert dieser Arbeitskraft immer kleiner, je mehr an transaktionaler Währung gedruckt wird. Logisch?
    Was wir wirklich brauchen, ist ein Medium, das nicht sowohl Wertaufbewahrungsmittel als auch transaktionale Währung ist. Dieses Medium kann z.B. Gold sein, sofern sein physischer!!! Wert täglich zum Marktpreis ermittelt wird und es nicht zum Tausch verwendet wird.
    Sie meinen es gut, das sehe ich. Sie kommen jedoch zu Schlüssen, die das alte System nur resetten würden.
    Will das wirklich jemand?
    Nachtrag: Goldstandard NEIN – Goldassetstandard JA!

    1. Antwort des Autors:
      Die Bindung einer Währung an Gold würde es verunmöglichen, den Geldwert zu manipulieren.
      Die Jahrzehnte vor dem Ersten Weltkrieg waren von einer bis dahin beispiellosen ökonomischen
      Globalisierungswelle gekennzeichnet, die nur möglich war, weil es unter den etablierten Wirtschaftsräumen keinerlei Währungsrisiko gab – solange das System des Goldstandards in Kraft war. Der Charakter von Preissignalen blieb rein von manipulativen Maßnahmen und dadurch unverfälscht.
      Wenn Papiergeld gegenüber Gold frei floated, kommt Gold die Rolle eines Indikators für vitale oder weniger vitale Währungen zu. Dieser Zustand würde Manipulation des Geldwertes zwar aufzeigen, aber nicht automatisch verhindern.

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